Am Freitagvormittag haben sich an der Stadtbücherei in Heidelberg um die 300 Schüler*innen, Student*innen und andere Interessierte zusammengefunden um spontan für einen längst überfälligen konsequenten Klimaschutz zu demonstrieren. Schon kurz nach 11 Uhr hatte sich eine beachtliche Menschentraube gebildet, die Slogans wie “Klimaschutz statt Kohleschmutz” skandierte und sich stetig vergrößerte. Im Rahmen dieser zwei Stunden andauernden spontanen Kundgebung fanden sich auch verschiedene Redner, die die Wichtigkeit des Klimaschutzes für unsere Erde sowie dieser Aktion und der Beteiligung so vieler, gerade junger Menschen betonten – zustimmender Jubel und Applaus. Für gute Stimmung sorgte bei knapp über null Grad neben den Sprechchören auch Musik, die kurzerhand über ein Megafon wiedergegeben wurde. Um 13 Uhr schließlich wurde die Versammlung wieder aufgelöst, die meisten gingen nach Hause, einige andere blieben noch länger um zu diskutieren und sich zu vernetzen.

Doch was ist der Hintergrund?

An eben diesem Freitag haben Aktivisten der internationalen Klimabewegung “Fridays for Future” – die vor einigen Monaten von der 15-jährigen Schülerin Greta Thunberg in Schweden angestoßen wurde – zu bundesweiten Protesten aufgerufen. Insgesamt beteiligten sich über 50 Ortsgruppen, in ganz Deutschland gingen mehr als 25.000 Schüler*innen auf die Straße, alleine in Freiburg waren es ca. 6000.

Eine solche Demo war auch in Heidelberg geplant, die Organisator*innen – selbst Schüler*innen – hatten über Social Media schon an die 1000 Unterstützer*innen mobilisiert. Doch es kam anders: Am Donnerstagabend wurde die Veranstaltung abgesagt. Mehrere Schulen hatten beim Ordnungsamt kurzfristig eine Änderung der Voraussetzungen für die Demonstration erwirkt, die diese faktisch unmöglich machte. Konkret wurde von den Organisator*innen verlangt, bei allen teilnehmenden Schüler*innen zu prüfen, ob diese für den Zeitraum der Demonstration von der Schule befreit sind und sie andernfalls nach Hause zu schicken. Bei Nichtumsetzung dieser Auflagen wurde mit rechtlichen Konsequenzen bis hin zu Haftstrafen gedroht.

An diesem Punkt ist es nur verständlich, dass die Organisator*innen ein solches Risiko ohne rechtliche Absicherung nicht eingehen wollten. Was für Möglichkeiten hat man schon als Schüler*in, sich bei solchen Drohungen zu wehren? Überhaupt, was ist das für ein Armutszeugnis für unsere demokratische Gesellschaft, wenn engagierten Schüler*innen mit Haftstrafen gedroht wird? Dieses Geschehen scheint ein trauriges Alleinstellungsmerkmal Heidelbergs zu sein, in den anderen großen Städten konnten die Schüler*innen ungehindert auf die Straße gehen. Natürlich müssen sie trotzdem vielerorts mit Konsequenzen in Form von unentschuldigten Fehlstunden rechnen, doch die gesamte Aktion in dieser Art komplett zu unterbinden, geht zu weit. Eigentlich sollten die Schulen ein Ort sein, an denen Menschen nicht nur gebildet, sondern auch zu demokratisch handelnden Individuen erzogen werden. Gerade wo der neuen Generation immer wieder vorgeworfen wird, wie unpolitisch sie doch sei.

Man kann nur hoffen, dass die Schulen sich mit diesem Versuch der Mundtotmachung ins eigene Bein geschossen haben. Denn hier entsteht gerade etwas! Tausende Schüler*innen in ganz Deutschland, ja sogar weltweit, kämpfen für ihre Zukunft – für die Zukunft der Erde, die uns alle etwas angeht und trotzdem von der Politik nicht ernst genommen wird. Wir auf jeden Fall werden weiter auf die Straße gehen und kämpfen – für echten Klimaschutz und einen globalen Kohleausstieg! Die nächste Demo wird bereits geplant!

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